4 Minuten mit Dr. Torben Giese

24. Februar 2021

In vier Minuten in die Waldidylle: Die Fahrt mit der Standseilbahn ist immer ein Erlebnis. Wir nutzen die Zeit, um Stuttgarter Persönlichkeiten in einem „schrägen“ Interview kennenzulernen.

Seit Februar 2017 ist Dr. Torben Giese Direktor des Stadtpalais – Museum für Stuttgart, das im April 2018 eröffnete und seitdem jährlich rund 260.000 Besucher:innen zählt. Zuvor war Giese acht Jahre stellvertretender Direktor des Stadtmuseums Wiesbaden. Als neuer Direktor gilt der gebürtige Hesse dennoch als außergewöhnliche Wahl, denn Gieses Wahrnehmung von Kultur und Museen ist frei von Staub und nah an der Szene. Im Stadtpalais verbindet er künstlerische Freigeister mit Kunstgeschichte und bietet so Raum für einen lebendigen Ort, der seine Stadt spiegelt – und dabei ebenso bereichert. Giese zeichnet Stuttgart in der Neukonzeption des Museums als einen Ausstellungs- und Veranstaltungsort für Themen aus Vergangenheit und Gegenwart – der genauso für Zukunftsfragen zuständig ist.

Herr Giese, Salzkartoffeln mit Grüner Soße oder Linsen mit Spätzle?

Auch wenn ich Hesse bin: ganz klar Linsen mit Spätzle. Schmeckt einfach besser!

Kaufen Sie ihre Socken selbst?

Nein. Das liegt vor allem daran, dass mir einkaufen keinen Spaß macht und ich nur selten überhaupt für mich einkaufen gehe.

Wer dürfte ein Portrait von Ihnen zeichnen, wenn Geld keine Rolle spielt?

Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt ein Portrait von mir haben wollte. Ich persönlich fände es schon ziemlich seltsam, mich irgendwo an der Wand hängen zu sehen. Wenn schon, dann möglichst abstrakt.

Wiederholt sich Geschichte?

Auf keinen Fall und doch die ganze Zeit. Auf der einen Seite wandeln sich Mensch und Gesellschaft ständig, was zum Beispiel daran liegt, dass wir uns körperlich von Generation zu Generation verändern. Dazu kommen noch all die technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, so dass jede Generation letztlich ihre eigene Welt erschafft. Auf der anderen Seite bleiben bestimmte persönliche und gesellschaftliche Konflikte, Herausforderungen und Aufgaben über diese Veränderung hinweg bestehen und stellen sich jeder Generation neu. Also irgendwie beides!

Welche Einschränkung könnten Sie eher akzeptieren: Ihr Land für immer zu verlassen oder es nie mehr verlassen zu können?

Eine Wahl zu treffen, fällt mir in diesem Fall schwer. Das Gedankenspiel fragt letztlich nach dem Wert von Heimat. Auf der einen Seite würde es mir nicht leichtfallen, niemals wieder in meine Heimat zurückkehren zu dürfen. Auf der anderen Seite könnte ich mir gut vorstellen, auch irgendwo anders heimisch zu werden. Umgekehrt stellt sich die Frage, ob Abenteuerlust, Fernweh und Entdeckergeist tatsächlich größer sind als die Verbundenheit zu der Region, in der ich aufgewachsen bin und lebe. Meine Heimat würde mir in jedem Fall ziemlich fehlen. Wenn es sein muss, könnte ich schlussendlich mit jeder dieser Einschränkungen leben. Welche Wahl aber die bessere ist, vermag ich nicht zu entscheiden.

Wie viel Aufmerksamkeit brauchen Sie?

Grundsätzlich bin ich ein Mensch, der eher mehr Aufmerksamkeit benötigt. Aber ich genieße es auch immer wieder allein zu sein. Zwischen diesen Polen pendelt mein Gemütszustand ständig hin und her. Nach Phasen starker Beachtung ziehe ich mich gerne zurück und umgekehrt.

Fotografien von Saeed Kakavand

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