4 Minuten mit Viktor Schoner

22. Juni 2021

In vier Minuten in die Waldidylle: Die Fahrt mit der Standseilbahn ist immer ein Erlebnis. Wir nutzen die Zeit, um Stuttgarter Persönlichkeiten in einem „schrägen“ Interview kennenzulernen.

Viktor Schoner wurde 1974 in Aschaffenburg geboren. Er studierte Bratsche an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ und Musikwissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin. Von 1999 bis 2001 war er Fellow an der Graduate School of Arts and Science der New York University. Er gründete, zusammen mit Titus Engel, die Akademie Musiktheater Heute. 2001 startete er als persönlicher Referent des Intendanten Gerard Mortier und dramaturgischer Mitarbeiter bei den Salzburger Festspielen. In den Jahren 2004 bis 2008 war er an der Opéra National de Paris Bastille tätig. Zuerst als Adjoint au Directeur und seit 2006 als Directeur de la coordination artistique. Von 2008 bis 2017 war er Künstlerischer Betriebsdirektor an der Bayerischen Staatsoper. Und seit der Saison 2018/19 ist Viktor Schoner Intendant der Staatsoper Stuttgart.

Herr Schoner: Welche/n Künstler:in hören Sie an schlechten Tagen? Und welche/n an guten Tagen?

Immer und vor allem an schlechten Tagen höre ich am liebsten die Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach. An guten Tagen genieße ich die Beatles, Punk und Wagner.

Lieber ein Weizen im Biergarten oder ein Aperol Spritz auf der Sonnenterrasse?

Unbedingt das Weizen im Biergarten. Oder auch gerne ein herbes Pils auf der Sonnenterrasse.

Welcher Geruch versetzt Sie in Ihre Kindheit zurück?

Interessanterweise der Geruch der Baustellen in unserem Neubau-Wohngebiet damals. Da spielten wir Verstecken, Fangen – und die Eroberung von Nicht-Orten.

Welche Weisheit würden sie Ihrem 18-jährigen Ich mitgeben?

Do it your way.

Sind Sie an dem Ort, wo Sie vor 10 Jahren gehofft haben, jetzt zu sein?

Ohh, ich kann mich nicht erinnern, vor 10 Jahren eine Hoffnung formuliert gehabt zu haben, wo ich in 2021 sein wollte. Das Theatervolk bleibt tingelnd. Wir wissen nicht, wo uns die Bretter, die die Welt bedeuten, als nächstes Heimat geben. Deswegen ist der Begriff „Ort“ für mich gar nicht so sehr mit Geografie verbunden, eher mit Emotion. Und da kann ich sagen, dass ich definitiv da bin, wo ich schon immer gehofft habe zu sein. Nämlich im Hier und Heute mit den Menschen glücklich zu sein, mit denen es eine Verbindung gibt …

Wohin würden Sie reisen, wenn wir Ihr Ticket bezahlen würden?

Nach Südamerika. Oder nach Takatukaland.

Welchen Traum haben Sie sich noch nicht erfüllt?
Da gibt es viele. Und sicher würde ich sie hier nicht ausformulieren 🙂 Da bin ich nämlich abergläubisch.

Würden Sie gerne einmal heimlich auf einer Technoparty tanzen?

Wieso heimlich? Ja, klar!

In welche weibliche Rolle würden Sie auf der Bühne schlüpfen wollen?

Komplexes Thema heutzutage. Gerade in der Oper war die Genderzugehörigkeit schon seit Hunderten von Jahren uneindeutig. In einer der ersten Opern, ORPHEUS, über den Urmythos der Kraft des Gesangs, „ersang“ sich Orpheus die Wiederauferstehung seiner Geliebten Euridike, die bei der Uraufführung jedoch von einem Mann verkörpert wurde. Kurz: Annina, die Dienerin und Vertraute Violettas in Verdis TRAVIATA.

Wenn Sie sich entscheiden müssten: Lieber am Teatro alla Scala in Mailand arbeiten und wenig Geld verdienen, oder in Stuttgart bleiben und viel Geld verdienen?

Unbedingt in Stuttgart bleiben! Zum einen machen wir unseren Beruf nicht (vordergründig) des Geldes wegen. Und außerdem ist die Stuttgarter Kombination aus erfrischendem Publikumsinteresse an Neuem, musikalischer Qualität und Ehrgeiz der musikalischen Kollektive und Gewerke an der Staatsoper ausserordentlich inspirierend. Und schließlich genieße ich den großartigen Austausch mit anderen Playern in der Stadt, sei es mit den Museen, den Wagenhallen, im Trickfilmbereich, mit dem VfB und vielen anderen.

Fotografien von Saeed Kakavand

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